Saison 2006 mit F-G6- „Svea“

 

 Weihnachtstörn

 

Als ich den Vorschlag zum 1. Mal von meinem Bruder hörte, schüttelte ich nur den Kopf.

Wie kommt er nur auf den Gedanken, bei Wind und Wetter, mit unserer hölzernen „SVEA“,

zu Weihnachten nach Bornholm zu segeln. Noch dazu, wenn die Tage sooo kurz sind. Uns könnte ja auch Eis den Weg versperren. Stürme, Regen, Schneetreiben und schnelle Wetterwechsel zu dieser Jahreszeit, sind nicht selten. Da ist dann ein festgesetzter Termin, wie es Weihnachten nun mal ist, ein Pokerspiel. Das Boot so lange im Wasser lassen, führt auch so manche Komplikation mit sich. Wir sind doch hier nicht am Mittelmeer.

Kelt.R.-00-200.jpgAls ich dann erfuhr, daß Bruder Steffen das Buch „Der keltische Ring“, von Björn Larsson gelesen hatte war mir dann alles klar. Die Magie dieses Lesestoffes, ist auch bei ihm übergeschwappt. Mich kribbelt ’s schon wieder, wenn ich nur daran denke. Lest selber dieses Buch, dann ist zu dieser Jahreszeit vielleicht mehr Segelverkehr auf der Ostsee.

So, der Schuldige ist gefunden, hätte er doch lieber von Sebastian Jünger, „Der Sturm“ gelesen, dann wäre er gar nicht erst auf diesen Gedanken gekommen.

Nun wenn ich ehrlich bin, einen gewissen Reiz übte diese Idee schon auf mich aus.

Aber ungeheizt, kalt, nass und ungemütlich über das bisschen Ostsee zu heizen und nicht wie gewöhnlich in warmen trockenen Räumen, gemeinsam mit der Familie vorm Weihnachtsbaum zu sitzen, oh nein, was tue ich mir da an.

Je mehr ich darüber nachdachte, umso mehr teilte ich die Idee mit meinem Bruder.

Die Klimasituation führte mich noch näher, an diesen jetzt gar nicht mehr so absurden Einfall heran. Hinzu kam auch noch, daß wir jetzt einen eigenen Trailer besaßen und somit unabhängig den Sliptermin selber bestimmen können.

Ich willigte dann doch ein. Als dann meine Freundin und unsere Freunde von unserem Vorhaben erfuhren, reagierten die Informierten höchst unterschiedlich. Manch Einer fand diese Idee toll, machte uns Mut, meine Freundin war darüber sehr erzürnt. Und es gab auch welche, die uns für verrückt erklärten. Soll doch ein jeder denken was er will, jetzt erst recht.

Dennoch stand die Voraussetzung, kein Sturm, kein vorausgesagter Dauerregen, kein Schnee, kein Eis, einer Überfahrt entgegen. Es ist dann zwar immer noch ein Risiko vorhanden, dort hinüber zu segeln, aber ich wollte es so gering halten, wie nur irgend möglich.

O.K. Urlaub war eingereicht, günstiges Wetter bei Petrus angemeldet und bei „Murphy“ haben wir auch angeklopft, er solle doch bitte seinen Schabernack nicht so doll mit uns treiben. Treibstoff für unseren „Quirl“, Trinkwasser, Thermoskannen, 50-Minuten Terrinen, Thermounterwäsche und viele andere „Warmhalteklamotten“, waren besorgt. Der Termin rückt näher.

Im Greifswalder Museumshafen, wo „SVEA“ noch gemütlich herumschaukelte, war jetzt Action angesagt. Unser Treiben, entdeckte sofort der Museumshafenmeister und dachte schon, wir wollten uns aus dem Staub machen. Sicher wollten wir los, aber nicht ohne unsere Hafenliegegebühr dort zu entrichten, möchten wir doch irgendwann wieder hier liegen. Vom  23.12.06 bis zum 04.01.2007 bleibt die Wieck- Brücke laut Internetinfo, geschlossen. Wir müssen also vorher durchgefahren sein. Um 15 Uhr ist die täglich letzte Öffnungszeit zu dieser Jahreszeit, das bedeutete für uns den Finger zu ziehen und Arbeitsteilung. Ich fahre den Kahn durch die Brücke, Steffen holt den Proviant und kommt dann mit dem Auto nach  Greifswald-Wieck.

Als dann alles verstaut war, halfen wir uns noch ein zwei… Biere ein und aßen eine leckere Dorade im Wiecker Fischrestaurant. Schöne Einrichtung dort und sehr schmackhaft, ich muß es wissen, denn normalerweise esse ich gar kein Fisch. Aber was ist schon normal an unserer geplanten Reise.

 Weih06_04-200.jpg

Am nächsten Morgen, wir schrieben das Datum 22.12.2006, um 06:00 Uhr Winterzeit in unseren Breiten, ging es dann also nach `nem heißen Teechen los, gen Norden. Wind war  vorhanden, ausreichend. Wir konnten unter „Vollzeug“ segeln, erst raumschots, dann auf der Ostsee mit halbem Wind. Es war noch dunkel. Es tröpfelte ein wenig, wollen wir hoffen, daß es nicht mehr wird. Ein Fischer, der zur selben Zeit auslief, sah zu uns, sah seinen Kollegen an und sie schüttelten den Kopf, aber den üblichen Seemannswink, erwiderten sie trotzdem und wünschten uns gute Fahrt. Den Blick eines Mannes, der seinen Hund gassi führte, spürten wir noch lange Zeit im Nacken. Während der Hund ständig an der Leine zog, blieb dieses Herrchen wie angewurzelt stehen. Machen wir wirklich das Richtige, waren jetzt meine Gedanken. Na, Mensch, früher, als es noch keine GFK- Boote und keine motorischen Hilfen gab, mussten die Fischer doch auch raus auf die See, egal zu welcher Jahreszeit. Also, nach vorn geschaut und ab dafür.

Auf dem Bodden waren die Wellen ja noch klein, aber auf der Ostsee, schaukelten wir dann schon mehr. „SVEA“ nahm die Wellen ohne zu murren, schließlich ist sie ja für baltische Verhältnisse gebaut.

Gut, daß wir schon vorher Tee und Brühe gekocht hatten, durch die jetzt gleich bleibende Krängung war es uns jetzt nicht mehr möglich zu kochen, unser Kocher war nämlich nicht kardanisch aufgehängt. Außerdem ist irgendetwas mit der Düse, da dauert das Kochen derzeit ewig. Der stetige Fahrtwind und die unzureichende Bewegung, ließ uns schon ein wenig frösteln. Ich zog dann meinen „Käppn Scott“- Anorak (Parker) an, der Tee tat sein übriges. Tja, viel war nicht los, ein Kümo kreuzte unsere Route, aber so, als wenn wir nicht genug Platz hätten. Vielleicht aber wollten die sich von nahen überzeugen, ob die richtig sehen. Segler sahen wir nicht. Weih06_05-200.jpgEinen blauen Kahn konnten wir auch ausmachen, mit den weißen Buchstaben BP. Aber die drehten irgendwann wieder ab. Hatten wohl keine Lust uns zu kontrollieren.

Die Sonne zeigte sich leider nicht. Steffen meinte nur, ich solle lieber den Anorak ausziehen, wenn da mal ne richtige Welle Innenbords kommt, wird der Parker nass. Diesen dann zu trocknen, wäre bei dieser Witterung unmöglich. Ich behielt ihn aber trotzdem an, war er doch so schön mollig warm. Später dann, ich glaube „Murphy“ hatte mitgehört, schüttete er uns eine riesige Welle ins Cockpit. Die wärmende Joppe war jetzt naß, hätte ich doch bloß auf Steffen gehört. Aber Segler sind halt Dickschädel, hat mir mal jemand gesagt. Nun musste die kalte Öljacke her, aber so schlimm war das nun auch wieder nicht. Schlimmer war etwas ganz anderes.

Ein Reff einzubinden war jetzt schon schwieriger. Es dämmerte schon, der kurze Tag verging wie im Fluge. Also lieber jetzt noch reffen. Das Bindereff sah zwar nicht schön aus, aber wir fühlten uns gleich sicherer. Normalerweise wird bei diesem Wind noch nicht gerefft, aber es sah so aus, als wenn er noch zulegt. Dann im Dunkeln reffen, ist ja nicht grad ungefährlich, zumal ein Folke ja ohne Seezaun konstruiert ist. Der Gedanke, daß es jetzt dunkel wird und wir noch kein Land gesichtet hatten, die etwas kalten Füße, ein wohl schlechtes Bier von gestern und die immer höher werdenden Wellen, ließen mein Magen verrückt spielen, Weih06_06-200.jpg

Die leckere Dorade von gestern, schön eingelegt in Bier, wollte unbedingt wieder ins Meer zurück und das ohne Gräten. Ich gab ihrem Willen nach, aber nicht ohne ein paar mal lauthals nach Ulf geschrieen zu haben. „ UUUULLLLLFFFF, UUUULLLLFFFF,  UUUULLLLFFFF, FFFFFFFFFF.“

 

 

 

 

Jetzt galt mein Heilmittel, in solch einem Zustand. Ablenken durch Arbeit, denn Steffen war auch nicht ganz wohl, bei dem Gedanken, das ein Crewmitglied n.e.b. (nicht einsatzbereit) ist.

Ich versuchte das Reff zu ordnen, bei dem Wellengang, nicht ohne Risiko. Ich setzte mich dann an die Pinne und irgendwie half meine „Medizin“, mir war wieder wohler zu Mute.

Steffen machte dann ein Lichtgewölbe in Kursrichtung aus. Das war Rönne, kein Zweifel. Steffen meinte auch, im Dunkeln zu segeln macht irgendwie mehr Spaß, man sieht die immer höher werdenden Wellen nicht mehr und die Befeuerung ergab eine bessere Orientierung.

Wir nahmen auch immer öfter Wasser von außen nach innen auf. Die Handlenzpumpe lief fast heiß. Auch wir kamen dabei abwechselnd ins schwitzen. Ein wenig half uns auch die elektrische Bilgenpumpe, aber wir wollten ja Batterie fürs Positionslicht sparen.

Unsere Handschuhe waren mittlerweile klitschnaß.  Hier und da, kroch das kühle Naß auch durchs Ölzeug. Dies alles störte uns nicht mehr, seitdem wir diese erleuchtende Erscheinung gemacht hatten.

Es sollte noch Stunden dauern bis wir zur Einfahrtstonne vor Rönne kamen.  Kurz davor aber zwang uns eine riesige Katamaranfähre, noch mal einen Kringel zu fahren. Es wäre zur Kollision gekommen und ob die Fähre uns überhaupt bemerkt hätte ist auch fraglich.

Na Die hat uns sicher „Murphy“ in die Zielgerade gesetzt. Und dem nicht genug, kreuzte noch ein kleiner Trawler unser Fahrwasser, in der Hafeneinfahrt. Was ist das bloß, die ganze Zeit machten wir kein Schiff aus, während wir uns der Insel immer mehr näherten und jetzt ist hier ein Verkehr.

Weih06_14-200.jpgBei Einfahrt in den Hafen, hatten wir raumen, bis achterlichen Wind, so auch die Welle. Wir schossen förmlich ins Hafenbecken, aber Zuschauer hatten wir keine. Es war 21:30Uhr, wer rechnet jetzt Weih06_18-200.jpgauch mit nem Segler.

 

88,7 sm von Greifswald in 13 Stunden, im Durchschnitt ca. 6,8 kn, mehr als die eigentlich Rumpfgeschwindigkeit, das ist doch ein beachtliches Etmal, oder!?

 

 

 

Festmachen im kleinen Fischerhafen, im nassen Ölzeug von Bord, auf der Suche nach einem Glasbiergeschäft. Schwieriger Fall? Aber nicht für uns, auch wenn wir sicherlich einen komischen Eindruck bei den Einheimischen hinterließen. Weih06_35-200.jpg

Die Suche endete erfolgreich in einem irischen Pub. „Oh Malley“, war glaub ich, der Name des Etablissements. Ein Einlasser mit Kahlkopf und der Barkeeper ebenfalls mit Glatze, ließen uns kurz auf der Schwelle verharren. Aber der Grund zu feiern war so triftig, daß wir den vorher gehabten Respekt vor den starken Jungs verloren. Es stellte sich heraus, daß es zwei ganz freundliche Gastronomen waren. Sämtliche Gäste mussten sich ihr Getränk selbst holen, nicht aber wir. Der Barkeeper persönlich brachte uns jedes neu bestellte Hopfengetränk. Sahen wir sooo hilfebedürftig aus?

Die dort installierte Heizung trocknete unsere nassen Klamotten hervorragend. Man haben wir gefeiert.

 

Weih06_09-200.jpg

An den beiden folgenden Tagen schlenderten wir durch Rönne, sahen dies und das, leerten diesen und jenen Kelch und sahen den Menschen bei der Bescherung zu. Die Häuser und dessen Fenster sind so gebaut, daß man sich dem nicht entziehen kann, wenn man um diese Zeit auf der Straße schlendert.

 

 

 

Weih06_32-200.jpg

In einem Eiskaffee, welches zwar geöffnet, aber völlig menschenleer war, verweilten wir eine kleine Weile. Der Inhaber, den wir dort kennen lernten, war so begeistert von unserem Törn, daß er uns gleich einen ortstypischen Glühwein ausgab. Er ist ehemaliger Militärpilot hat sich dann nach der Pensionierung gelangweilt und machte dies Café auf. Mittlerweile ist er am bau eines weiteren Cafés.

 

 

Weih06_31-200.jpg

Ich erwähne diese Begegnung deshalb, weil dieser Pilot a. D. am Morgen des 24.12.2006, um Punkt 8:00 Uhr am Vorsteven klopfte. Ich dachte zuerst: „ Jetzt kommt doch noch der Hafenmeister um die Liegegebühr zu kassieren“. Mist, ich zog mir den Schlafsack über meinen dicken Schädel. Vielleicht guckt Steffen ja mal nach. „Mister Skydiver“ bewies seine Ausdauer, ich gab auf, kroch aus meiner mollig warmen Penntüte, um zu sehen was mich dieser Blick kosten wird.

 

 

Ich traute meinen Augen nicht, es war der Flieger aus dem Café,Weih06_21-200.jpg

mit dänischem Kuchen und Erfrischungsgetränk. „Isch denk sie sind frische Leide, fröhe Weinaten“ sagte er und übergab uns unser ungeplantes Frühstück. Ich war sprachlos, stand völlig baff am Vorstag in Thermounterwäsche und noch dicken Klüsen (gequollenen Augen). Ihm entwich ein leichtes Grinsen, so wie: „na der sieht ja komisch aus, aber die Überraschung ist gelungen“. Steffen gab mir Rückendeckung in dem er genauso ausschaute wie ich. Wir bedankten uns herzlichst und wollte ihn noch…, da war er schon wieder verschwunden. Gibt’s denn so was, oder anders gefragt, erlebt man so etwas noch bei uns?

In unserem Frühstücksbeutel war noch ein beschriebenes Stück Speisekarte, vorgesehen für den Fall, wir wären Frühaufsteher. Er wünscht uns glückliche Weihnachten, ein frohes neues Jahr,  das wir uns wieder sehen und gute Heimfahrt.

Weih06_27-200.jpgAch ja, die stand uns ja noch bevor, die Heimfahrt. Kein Tag auf Bornholm war windstill, im Gegenteil, es blies eher viel kräftiger als bei unserer Anreise. Hinzu kam ekeliger Nieselregen, der käme von vorn, wenn wir jetzt losführen.

Heimatliche Terminerfüllung hatte unseren Heimreisetermin schon festgelegt. Am 25.12.2006 müssen wir in See stechen.

 

Weih06_24-200.jpgDiesmal um 4:00 aufgestanden, vorher ein Reff eingebunden, wieder heiße Getränke und Brühe gefertigt, galt es um 5:00 Abschied von Rönne zu nehmen. Als wir an Deck krochen, hatten wir so unsere Mühe, nicht ins Wasser zu schlittern. Das ganze Deck war vereist, die Pier ebenso. Nach der Morgentoilette, ging es dann aber eisig zur Hafenausfahrt. Der Schwell war nicht mehr so doll, wie am Abend zuvor, der Wind hatte auf  Nord gedreht, was insofern Mist war, daß die Insel uns im Windschatten stehen ließ. Ansonsten, konnte es nicht besser kommen. Man haben wir wieder ein Glück, na hoffentlich wecken wir „Murphy“ nicht auf. Etwas weiter draußen dann, frischte es ein wenig auf und so zogen wir frohen Mutes gen heimatliche Gefilde. Ein schöner Törn, bei raumen Wind, etwas kalt. Weih06_42-200.jpg

Ungefähr auf der Hälfte der Strecke, ließ der Wind nach. Die beim letzten Törn erprobte Genua, wurde an Stelle der Fock gesetzt. Das Reff im Groß, hatten wir schon lange heraus gebunden. Der Wind ließ immer weiter nach. Na das kann ja was werden. Am Barometer änderte sich nichts, also keine so genannte Ruhe vor dem Sturm. Etwas Schwell war da noch, so das die schlaffen Segel hin und her schlugen, da half auch der Bullenstander beim Großsegel nichts mehr.

 

Weih06_38-200.jpg

 

Also Flautenschieber klarmachen, warum wird er auch so genannt. Wird der Sprit reichen? Unter Motor, müssen wir auch das Hecklicht und die Rot-Grün- Laterne anbasteln, welche auf Funktion lange nicht mehr geprüft waren. Da reicht das Rundum- Toplicht nicht mehr aus. Das waren jetzt so unsere Probleme. Aber noch eines war da, auf das bewegten wir Weih06_39-200.jpguns geradewegs zu. Ein fette unheimliche Nebelwand, von Ost nach West, soweit das Auge  blicken kann. Diese sah aber nicht wie gewöhnlich nebelig weiß aus, nein sie war dunkel, wie eine Gewitterwolke und direkt auf dem Meer. Augen zu und durch. Als wir in dieses unheimliche Etwas eintauchten, war alles Zeugs an Deck im Nu mit Tropfen übersät. Wir sahen nicht mal mehr den Bug. Aber außer der verlorenen Sicht und der plötzlich aufgetretenen Nässe, war nichts Besonderes dabei. Mystisch war es dennoch. Was, wenn jetzt eine Fähre aus Saßnitz käme, diesen Hafen steuerten wir nämlich an. Ein paar Seemeilen weiter schlüpften wir aus der Nebelwand heraus, es war bereits dunkel und wir konnten die Leuchtfeuer um Saßnitz ausmachen.

59,6 sm

Im Hafenbecken hat sich einiges getan, so gab es die Steganlagen von einst nicht mehr. Nun wir dachten, Saßnitz liegt wohl eh im Winterschlaf und Weihnachten ist ja noch aktuell. So legten wir uns einfach an den Fahrgastschiffanleger. Eine kleine Stadtwanderung, ließ uns erschauern. Man hat sich Saßnitz verändert. Alles zugebaut mit solch hässlichen neumodischen Glas- Stahl- Beton- kunterbunt- Bauwerken. Na über Geschmack lässt sich ja streiten, heißt es, aber ich stehe da wohl mit meiner Ansicht nicht alleine. Nach einem köstlichen Stück Entenbraten und dazu gehörigem Bier, kullerten wir schwer betankt in unsere Kojen.

Weih06_36-200.jpgAm dunklen frühen Morgen liefen wir aus und mit schönem halben Wind fuhren wir die schöne Rügener Ostseeküste, bis in den Greifswalder Bodden ab. Im Bodden dann, der Wind nahm stetig zu, kam der Wind von vorn. Da lachte sich „Murphy“ wieder eins ins Hörnchen. Alles was zuvor einigermaßen trocken blieb, wurde jetzt klitsch- naß, so auch wir selbst. Mit dem Endspurt im Köpfchen, ließen wir uns nicht beirren. Einzig die Kälte, welche auch zunahm nervte ein wenig. Im Strelasund endlich eingefahren, takelten wir in Höhe der riesigen Strommasten, unsere Fregatte ab und setzten leider den Quirl in Gang. Es dämmerte bereits und zum aufsetzen hatten wir jetzt keine Lust mehr. Die Einfahrt zum alten Marinehafen von Dänholm erreichten wir gerade so, bei einem letzten Fünkchen Licht.

Geschafft, aber froh unser Vorhaben durchgestanden zu haben, endet hier unser schöner frischer Törn. Wir bereuen keine Sekunde unserer Tour.  47 sm

 

Seemeilen gesamt: 195,3 sm

 

Ein Fußmarsch meiner Person zum Bahnhof Stralsund, um mit dem Zug nach Greifswald zu kommen und von dort mit dem Taxi nach Wieck chauffiert zu werden, wo mein Auto stand, seien hier noch als kleiner Umstand erwähnt. Steffen machte in dieser Warteschleife, klar Schiff.

„SVEA“ ist nun endlich, d.h. am 10. Januar 2007, mit familiärer Hilfe meines Cousins, in ihr Winterquartier  gebracht worden. So spät, oder so früh, haben wir unsere Slup noch nie herausgeholt, es ist eben alles relativ und es kommt immer darauf an, von welcher Seite man das alles betrachtet.

 

                                                                                                                       Moin, Euer Silvio

 

 ___________________________________________________

Folkebootflotte Berlin

Rainer Birkenstock

www.folkeboot-berlin.de

Tel. (030) 8 81 12 67