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Als ich den Vorschlag zum
1. Mal von meinem Bruder hörte, schüttelte ich nur den Kopf.
Wie kommt er nur auf den
Gedanken, bei Wind und Wetter, mit unserer hölzernen „SVEA“,
zu Weihnachten nach
Bornholm zu segeln. Noch dazu, wenn die Tage sooo kurz sind. Uns könnte ja
auch Eis den Weg versperren. Stürme, Regen, Schneetreiben und schnelle
Wetterwechsel zu dieser Jahreszeit, sind nicht selten. Da ist dann ein
festgesetzter Termin, wie es Weihnachten nun mal ist, ein Pokerspiel. Das
Boot so lange im Wasser lassen, führt auch so manche Komplikation mit
sich. Wir sind doch hier nicht am Mittelmeer.
Als
ich dann erfuhr, daß Bruder Steffen das Buch „Der keltische Ring“, von
Björn Larsson gelesen hatte war mir dann alles klar. Die Magie dieses
Lesestoffes, ist auch bei ihm übergeschwappt. Mich kribbelt ’s schon
wieder, wenn ich nur daran denke. Lest selber dieses Buch, dann ist zu
dieser Jahreszeit vielleicht mehr Segelverkehr auf der Ostsee.
So, der Schuldige ist
gefunden, hätte er doch lieber von Sebastian Jünger, „Der Sturm“ gelesen,
dann wäre er gar nicht erst auf diesen Gedanken gekommen.
Nun wenn ich ehrlich bin,
einen gewissen Reiz übte diese Idee schon auf mich aus.
Aber ungeheizt, kalt,
nass und ungemütlich über das bisschen Ostsee zu heizen und nicht
wie gewöhnlich in warmen trockenen Räumen, gemeinsam mit der Familie vorm
Weihnachtsbaum zu sitzen, oh nein, was tue ich mir da an.
Je mehr ich darüber
nachdachte, umso mehr teilte ich die Idee mit meinem Bruder.
Die Klimasituation führte
mich noch näher, an diesen jetzt gar nicht mehr so absurden Einfall heran.
Hinzu kam auch noch, daß wir jetzt einen eigenen Trailer besaßen und somit
unabhängig den Sliptermin selber bestimmen können.
Ich willigte dann doch
ein. Als dann meine Freundin und unsere Freunde von unserem Vorhaben
erfuhren, reagierten die Informierten höchst unterschiedlich. Manch Einer
fand diese Idee toll, machte uns Mut, meine Freundin war darüber sehr
erzürnt. Und es gab auch welche, die uns für verrückt erklärten. Soll doch
ein jeder denken was er will, jetzt erst recht.
Dennoch stand die
Voraussetzung, kein Sturm, kein vorausgesagter Dauerregen, kein Schnee,
kein Eis, einer Überfahrt entgegen. Es ist dann zwar immer noch ein Risiko
vorhanden, dort hinüber zu segeln, aber ich wollte es so gering halten,
wie nur irgend möglich.
O.K. Urlaub war
eingereicht, günstiges Wetter bei Petrus angemeldet und bei „Murphy“ haben
wir auch angeklopft, er solle doch bitte seinen Schabernack nicht so doll
mit uns treiben. Treibstoff für unseren „Quirl“, Trinkwasser,
Thermoskannen, 50-Minuten Terrinen, Thermounterwäsche und viele andere
„Warmhalteklamotten“, waren besorgt. Der Termin rückt näher.
Im Greifswalder
Museumshafen, wo „SVEA“ noch gemütlich herumschaukelte, war jetzt Action
angesagt. Unser Treiben, entdeckte sofort der Museumshafenmeister und
dachte schon, wir wollten uns aus dem Staub machen. Sicher wollten wir
los, aber nicht ohne unsere Hafenliegegebühr dort zu entrichten, möchten
wir doch irgendwann wieder hier liegen. Vom 23.12.06 bis zum 04.01.2007
bleibt die Wieck- Brücke laut Internetinfo, geschlossen. Wir müssen also
vorher durchgefahren sein. Um 15 Uhr ist die täglich letzte Öffnungszeit
zu dieser Jahreszeit, das bedeutete für uns den Finger zu ziehen und
Arbeitsteilung. Ich fahre den Kahn durch die Brücke, Steffen holt den
Proviant und kommt dann mit dem Auto nach Greifswald-Wieck.
Als dann alles verstaut
war, halfen wir uns noch ein zwei… Biere ein und aßen eine leckere Dorade
im Wiecker Fischrestaurant. Schöne Einrichtung dort und sehr schmackhaft,
ich muß es wissen, denn normalerweise esse ich gar kein Fisch. Aber was
ist schon normal an unserer geplanten Reise.

Am nächsten Morgen, wir schrieben das Datum 22.12.2006, um
06:00 Uhr Winterzeit in unseren Breiten, ging es dann also nach `nem
heißen Teechen los, gen Norden. Wind war vorhanden, ausreichend. Wir
konnten unter „Vollzeug“ segeln, erst raumschots, dann auf der Ostsee mit
halbem Wind. Es war noch dunkel. Es tröpfelte ein wenig, wollen wir
hoffen, daß es nicht mehr wird. Ein Fischer, der zur selben Zeit auslief,
sah zu uns, sah seinen Kollegen an und sie schüttelten den Kopf, aber den
üblichen Seemannswink, erwiderten sie trotzdem und wünschten uns gute
Fahrt. Den Blick eines Mannes, der seinen Hund gassi führte, spürten wir
noch lange Zeit im Nacken. Während der Hund ständig an der Leine zog,
blieb dieses Herrchen wie angewurzelt stehen. Machen wir wirklich das
Richtige, waren jetzt meine Gedanken. Na, Mensch, früher, als es noch
keine GFK- Boote und keine motorischen Hilfen gab, mussten die Fischer
doch auch raus auf die See, egal zu welcher Jahreszeit. Also, nach vorn
geschaut und ab dafür.
Auf dem Bodden waren die
Wellen ja noch klein, aber auf der Ostsee, schaukelten wir dann schon
mehr. „SVEA“ nahm die Wellen ohne zu murren, schließlich ist sie ja für
baltische Verhältnisse gebaut.
Gut, daß wir schon vorher
Tee und Brühe gekocht hatten, durch die jetzt gleich bleibende Krängung
war es uns jetzt nicht mehr möglich zu kochen, unser Kocher war nämlich
nicht kardanisch aufgehängt. Außerdem ist irgendetwas mit der Düse, da
dauert das Kochen derzeit ewig. Der stetige Fahrtwind und die
unzureichende Bewegung, ließ uns schon ein wenig frösteln. Ich zog dann
meinen „Käppn Scott“- Anorak (Parker) an, der Tee tat sein übriges. Tja,
viel war nicht los, ein Kümo kreuzte unsere Route, aber so, als wenn wir
nicht genug Platz hätten. Vielleicht aber wollten die sich von nahen
überzeugen, ob die richtig sehen. Segler sahen wir nicht.
Einen
blauen Kahn konnten wir auch ausmachen, mit den weißen Buchstaben BP. Aber
die drehten irgendwann wieder ab. Hatten wohl keine Lust uns zu
kontrollieren.
Die Sonne zeigte sich
leider nicht. Steffen meinte nur, ich solle lieber den Anorak ausziehen,
wenn da mal ne richtige Welle Innenbords kommt, wird der Parker nass.
Diesen dann zu trocknen, wäre bei dieser Witterung unmöglich. Ich behielt
ihn aber trotzdem an, war er doch so schön mollig warm. Später dann, ich
glaube „Murphy“ hatte mitgehört, schüttete er uns eine riesige Welle ins
Cockpit. Die wärmende Joppe war jetzt naß, hätte ich doch bloß auf Steffen
gehört. Aber Segler sind halt Dickschädel, hat mir mal jemand gesagt. Nun
musste die kalte Öljacke her, aber so schlimm war das nun auch wieder
nicht. Schlimmer war etwas ganz anderes.
Ein Reff einzubinden war jetzt schon schwieriger. Es
dämmerte schon, der kurze Tag verging wie im Fluge. Also lieber jetzt noch
reffen. Das Bindereff sah zwar nicht schön aus, aber wir fühlten uns
gleich sicherer. Normalerweise wird bei diesem Wind noch nicht gerefft,
aber es sah so aus, als wenn er noch zulegt. Dann im Dunkeln reffen, ist
ja nicht grad ungefährlich, zumal ein Folke ja ohne Seezaun konstruiert
ist. Der Gedanke, daß es jetzt dunkel wird und wir noch kein Land
gesichtet hatten, die etwas kalten Füße, ein wohl schlechtes Bier von
gestern und die immer höher werdenden Wellen, ließen mein Magen verrückt
spielen,

Die leckere Dorade von gestern, schön eingelegt in Bier,
wollte unbedingt wieder ins Meer zurück und das ohne Gräten. Ich gab ihrem
Willen nach, aber nicht ohne ein paar mal lauthals nach Ulf geschrieen zu
haben. „ UUUULLLLLFFFF, UUUULLLLFFFF, UUUULLLLFFFF, FFFFFFFFFF.“
Jetzt galt mein Heilmittel, in solch einem Zustand.
Ablenken durch Arbeit, denn Steffen war auch nicht ganz wohl, bei dem
Gedanken, das ein Crewmitglied n.e.b. (nicht einsatzbereit)
ist.
Ich versuchte das Reff zu
ordnen, bei dem Wellengang, nicht ohne Risiko. Ich setzte mich dann an die
Pinne und irgendwie half meine „Medizin“, mir war wieder wohler zu Mute.
Steffen machte dann ein
Lichtgewölbe in Kursrichtung aus. Das war Rönne, kein Zweifel. Steffen
meinte auch, im Dunkeln zu segeln macht irgendwie mehr Spaß, man sieht die
immer höher werdenden Wellen nicht mehr und die Befeuerung ergab eine
bessere Orientierung.
Wir nahmen auch immer
öfter Wasser von außen nach innen auf. Die Handlenzpumpe lief fast heiß.
Auch wir kamen dabei abwechselnd ins schwitzen. Ein wenig half uns auch
die elektrische Bilgenpumpe, aber wir wollten ja Batterie fürs
Positionslicht sparen.
Unsere Handschuhe waren
mittlerweile klitschnaß. Hier und da, kroch das kühle Naß auch durchs
Ölzeug. Dies alles störte uns nicht mehr, seitdem wir diese erleuchtende
Erscheinung gemacht hatten.
Es sollte noch Stunden
dauern bis wir zur Einfahrtstonne vor Rönne kamen. Kurz davor aber zwang
uns eine riesige Katamaranfähre, noch mal einen Kringel zu fahren. Es wäre
zur Kollision gekommen und ob die Fähre uns überhaupt bemerkt hätte ist
auch fraglich.
Na Die hat uns sicher
„Murphy“ in die Zielgerade gesetzt. Und dem nicht genug, kreuzte noch ein
kleiner Trawler unser Fahrwasser, in der Hafeneinfahrt. Was ist das bloß,
die ganze Zeit machten wir kein Schiff aus, während wir uns der Insel
immer mehr näherten und jetzt ist hier ein Verkehr.
Bei
Einfahrt in den Hafen, hatten wir raumen, bis achterlichen Wind, so auch
die Welle. Wir schossen förmlich ins Hafenbecken, aber Zuschauer hatten
wir keine. Es war 21:30Uhr, wer rechnet jetzt
auch
mit nem Segler.
88,7 sm von Greifswald in 13 Stunden, im Durchschnitt ca.
6,8 kn, mehr als die eigentlich Rumpfgeschwindigkeit, das ist doch ein
beachtliches Etmal, oder!?
Festmachen im kleinen Fischerhafen, im nassen Ölzeug von
Bord, auf der Suche nach einem Glasbiergeschäft. Schwieriger Fall? Aber
nicht für uns, auch wenn wir sicherlich einen komischen Eindruck bei den
Einheimischen hinterließen.

Die Suche endete erfolgreich in einem irischen Pub. „Oh
Malley“, war glaub ich, der Name des Etablissements. Ein Einlasser mit
Kahlkopf und der Barkeeper ebenfalls mit Glatze, ließen uns kurz auf der
Schwelle verharren. Aber der Grund zu feiern war so triftig, daß wir den
vorher gehabten Respekt vor den starken Jungs verloren. Es stellte sich
heraus, daß es zwei ganz freundliche Gastronomen waren. Sämtliche Gäste
mussten sich ihr Getränk selbst holen, nicht aber wir. Der Barkeeper
persönlich brachte uns jedes neu bestellte Hopfengetränk. Sahen wir sooo
hilfebedürftig aus?
Die dort installierte
Heizung trocknete unsere nassen Klamotten hervorragend. Man haben wir
gefeiert.

An den beiden folgenden Tagen schlenderten wir durch Rönne,
sahen dies und das, leerten diesen und jenen Kelch und sahen den Menschen
bei der Bescherung zu. Die Häuser und dessen Fenster sind so gebaut, daß
man sich dem nicht entziehen kann, wenn man um diese Zeit auf der Straße
schlendert.

In einem Eiskaffee, welches zwar geöffnet, aber völlig
menschenleer war, verweilten wir eine kleine Weile. Der Inhaber, den wir
dort kennen lernten, war so begeistert von unserem Törn, daß er uns gleich
einen ortstypischen Glühwein ausgab. Er ist ehemaliger Militärpilot hat
sich dann nach der Pensionierung gelangweilt und machte dies Café auf.
Mittlerweile ist er am bau eines weiteren Cafés.

Ich erwähne diese Begegnung deshalb, weil dieser Pilot a.
D. am Morgen des 24.12.2006, um Punkt 8:00 Uhr am Vorsteven klopfte. Ich
dachte zuerst: „ Jetzt kommt doch noch der Hafenmeister um die Liegegebühr
zu kassieren“. Mist, ich zog mir den Schlafsack über meinen dicken
Schädel. Vielleicht guckt Steffen ja mal nach. „Mister Skydiver“ bewies
seine Ausdauer, ich gab auf, kroch aus meiner mollig warmen Penntüte, um
zu sehen was mich dieser Blick kosten wird.
Ich traute meinen Augen nicht, es war der Flieger aus dem
Café,
mit dänischem Kuchen und Erfrischungsgetränk. „Isch denk
sie sind frische Leide, fröhe Weinaten“ sagte er und übergab uns unser
ungeplantes Frühstück. Ich war sprachlos, stand völlig baff am Vorstag in
Thermounterwäsche und noch dicken Klüsen (gequollenen Augen). Ihm entwich
ein leichtes Grinsen, so wie: „na der sieht ja komisch aus, aber die
Überraschung ist gelungen“. Steffen gab mir Rückendeckung in dem er
genauso ausschaute wie ich. Wir bedankten uns herzlichst und wollte ihn
noch…, da war er schon wieder verschwunden. Gibt’s denn so was, oder
anders gefragt, erlebt man so etwas noch bei uns?
In unserem
Frühstücksbeutel war noch ein beschriebenes Stück Speisekarte, vorgesehen
für den Fall, wir wären Frühaufsteher. Er wünscht uns glückliche
Weihnachten, ein frohes neues Jahr, das wir uns wieder sehen und gute
Heimfahrt.
Ach
ja, die stand uns ja noch bevor, die Heimfahrt. Kein Tag auf Bornholm war
windstill, im Gegenteil, es blies eher viel kräftiger als bei unserer
Anreise. Hinzu kam ekeliger Nieselregen, der käme von vorn, wenn wir jetzt
losführen.
Heimatliche
Terminerfüllung hatte unseren Heimreisetermin schon festgelegt. Am
25.12.2006 müssen wir in See stechen.
Diesmal
um 4:00 aufgestanden, vorher ein Reff eingebunden, wieder heiße Getränke
und Brühe gefertigt, galt es um 5:00 Abschied von Rönne zu nehmen. Als wir
an Deck krochen, hatten wir so unsere Mühe, nicht ins Wasser zu
schlittern. Das ganze Deck war vereist, die Pier ebenso. Nach der
Morgentoilette, ging es dann aber eisig zur Hafenausfahrt. Der Schwell war
nicht mehr so doll, wie am Abend zuvor, der Wind hatte auf Nord gedreht,
was insofern Mist war, daß die Insel uns im Windschatten stehen ließ.
Ansonsten, konnte es nicht besser kommen. Man haben wir wieder ein Glück,
na hoffentlich wecken wir „Murphy“ nicht auf. Etwas weiter draußen dann,
frischte es ein wenig auf und so zogen wir frohen Mutes gen heimatliche
Gefilde. Ein schöner Törn, bei raumen Wind, etwas kalt.

Ungefähr auf der Hälfte der Strecke, ließ der Wind nach.
Die beim letzten Törn erprobte Genua, wurde an Stelle der Fock gesetzt.
Das Reff im Groß, hatten wir schon lange heraus gebunden. Der Wind ließ
immer weiter nach. Na das kann ja was werden. Am Barometer änderte sich
nichts, also keine so genannte Ruhe vor dem Sturm. Etwas Schwell war da
noch, so das die schlaffen Segel hin und her schlugen, da half auch der
Bullenstander beim Großsegel nichts mehr.

Also Flautenschieber klarmachen, warum wird er auch so
genannt. Wird der Sprit reichen? Unter Motor, müssen wir auch das
Hecklicht und die Rot-Grün- Laterne anbasteln, welche auf Funktion lange
nicht mehr geprüft waren. Da reicht das Rundum- Toplicht nicht mehr aus.
Das waren jetzt so unsere Probleme. Aber noch eines war da, auf das
bewegten wir
uns
geradewegs zu. Ein fette unheimliche Nebelwand, von Ost nach West, soweit
das Auge blicken kann. Diese sah aber nicht wie gewöhnlich nebelig
weiß aus, nein sie war dunkel, wie eine Gewitterwolke und direkt auf dem
Meer. Augen zu und durch. Als wir in dieses unheimliche Etwas eintauchten,
war alles Zeugs an Deck im Nu mit Tropfen übersät. Wir sahen nicht mal
mehr den Bug. Aber außer der verlorenen Sicht und der plötzlich
aufgetretenen Nässe, war nichts Besonderes dabei. Mystisch war es dennoch.
Was, wenn jetzt eine Fähre aus Saßnitz käme, diesen Hafen steuerten wir
nämlich an. Ein paar Seemeilen weiter schlüpften wir aus der Nebelwand
heraus, es war bereits dunkel und wir konnten die Leuchtfeuer um Saßnitz
ausmachen.
59,6 sm
Im Hafenbecken hat sich
einiges getan, so gab es die Steganlagen von einst nicht mehr. Nun wir
dachten, Saßnitz liegt wohl eh im Winterschlaf und Weihnachten ist ja noch
aktuell. So legten wir uns einfach an den Fahrgastschiffanleger. Eine
kleine Stadtwanderung, ließ uns erschauern. Man hat sich Saßnitz
verändert. Alles zugebaut mit solch hässlichen neumodischen Glas- Stahl-
Beton- kunterbunt- Bauwerken. Na über Geschmack lässt sich ja streiten,
heißt es, aber ich stehe da wohl mit meiner Ansicht nicht alleine. Nach
einem köstlichen Stück Entenbraten und dazu gehörigem Bier, kullerten wir
schwer betankt in unsere Kojen.
Am
dunklen frühen Morgen liefen wir aus und mit schönem halben Wind fuhren
wir die schöne Rügener Ostseeküste, bis in den Greifswalder Bodden ab. Im
Bodden dann, der Wind nahm stetig zu, kam der Wind von vorn. Da lachte
sich „Murphy“ wieder eins ins Hörnchen. Alles was zuvor einigermaßen
trocken blieb, wurde jetzt klitsch- naß, so auch wir selbst. Mit dem
Endspurt im Köpfchen, ließen wir uns nicht beirren. Einzig die Kälte,
welche auch zunahm nervte ein wenig. Im Strelasund endlich eingefahren,
takelten wir in Höhe der riesigen Strommasten, unsere Fregatte ab und
setzten leider den Quirl in Gang. Es dämmerte bereits und zum aufsetzen
hatten wir jetzt keine Lust mehr. Die Einfahrt zum alten Marinehafen von
Dänholm erreichten wir gerade so, bei einem letzten Fünkchen Licht.
Geschafft, aber froh
unser Vorhaben durchgestanden zu haben, endet hier unser schöner frischer
Törn. Wir bereuen keine Sekunde unserer Tour. 47 sm
Seemeilen gesamt:
195,3 sm
Ein Fußmarsch meiner
Person zum Bahnhof Stralsund, um mit dem Zug nach Greifswald zu kommen und
von dort mit dem Taxi nach Wieck chauffiert zu werden, wo mein Auto stand,
seien hier noch als kleiner Umstand erwähnt. Steffen machte in dieser
Warteschleife, klar Schiff.

„SVEA“ ist nun endlich,
d.h. am 10. Januar 2007, mit familiärer Hilfe meines Cousins, in ihr
Winterquartier gebracht worden. So spät, oder so früh, haben wir unsere
Slup noch nie herausgeholt, es ist eben alles relativ und es kommt immer
darauf an, von welcher Seite man das alles betrachtet.

Moin, Euer Silvio
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